2021/02/10

von Dr. Markus Griesbeck

In den Begegnungen mit vielen Managern und Führungskräften der letzten 15 Jahren ist mir immer wieder aufgefallen: Die wirklich (!)[1] wirksamen und erfolgreichen Manager und Führungskräfte hatten eines gemeinsam.

Es klingt einfach, es ist aber auch einfach: Es ist die Fähigkeit zur Fokussierung. Andere Worte für Fokussierung sind Konzentration, Achtsamkeit, innere Klarheit.

Was bedeutet das genau? Peter F. Drucker, der wohl bekannteste Management-Vordenker meinte dazu lapidar: „First things first. And second things not at all“.

Auch das liest sich einfach, ist aber in der praktischen Umsetzung bei weitem nicht so einfach, wie manche denken. Als methodisches Instrument wird deshalb häufig das sog. Eisenhower-Prinzip[2] angewandt. Die nachfolgende Abbildung[3] zeigt die Logik:

 

 

  1. Höchste Aufmerksamkeit genießen A-Themen: wichtig und dringend (Quad­rant I). Ich muss mich jetzt darum kümmern.
  2. B-Themen haben zweithöchste Priorität: Sie sind wichtig, aber nicht dringend (Quadrant II). Ich kann diese Themen planen und muss mich nicht jetzt sofort darum kümmern.
  3. C-Themen sind dringend, aber unwichtig (Quadrant III). Sie können delegiert werden.
  4. D-Themen haben den Papierkorb-Status. Ich kümmere mich gar nicht um sie.

Entscheidend zum tatsächlichen Gelingen dieser Methode ist eines. Und das unterscheidet die wirksamen und erfolgreichen Manager und Führungskräfte von allen anderen. Die Fokussierung steht im Einklang mit Achtsamkeit und Loslassen.

Was meint das? Damit ich in der Lage bin, mich, mein Team, meine Organisation zu fokussieren, brauche ich eine innere Klarheit. Eine innere Haltung, die ich nur erreichen kann, indem ich achtsam mit mir, meinem Team und meiner Organisation umgehe. Das bedeutet gezieltes An-sich-selber-arbeiten, Auf-sich-selber-hören sowie Sich-selbst-bewusst-wahrnehmen.

Wer dieses Auf-sich-selber-hören bewusst praktiziert, wird automatisch wahrnehmen (lernen), was die Fokussierung und Konzentration innerlich wie äußerlich auslöst: Ist es tatsächlich richtig, was ich, was wir machen? Mache ich das Wichtige? Macht mein Team, meine Organisation das Wichtige? Kümmere ich mich um das, worauf es wirklich ankommt? Bin ich bereit, all das zu delegieren und loszulassen, was nicht ich machen muss?

Ein Umsetzungsvorschlag an alle, die sich fokussieren wollen: Schreiben Sie alle wichtigen Aufgaben, Projekte und Themen auf, die sie in den nächsten 6-12 Monaten bewegen wollen. Priorisieren Sie diese nach dem oben genannten Prinzip. Wenn Sie mehr als fünf Sachen haben, die Sie verfolgen wollen, streichen Sie rigoros das, was nicht zwingend notwendig ist. Und dann: Verfolgen Sie eisern und konsequent nur diese Punkte – wenngleich Sie bereit sein sollten, diese Liste regelmäßig anzupassen. Denn: Pläne sind nur solange gut, wie sie gültig sind. Aber Pläne helfen auch planvoll und nicht planlos seine Wirksamkeit unter Beweis zu stellen.

Dr. Markus Griesbeck, Management Expert St. Gallen und Autor des Buches: Management. Die Essenz. Erschienen im Handelsblatt Fachmedien Verlag.

 

[1] Man kann ziemlich genau messen, bewerten und/oder beurteilen, wann ein Manager bzw. eine Führungskraft wirksam ist. Erstaunlicherweise ist das manchen Führungskräften selbst nicht klar und bewusst (und in manchen Fällen auch nicht den Gesellschaftern, Aktionären, Eigen- oder Fremdkapitalgebern). Näheres dazu in einer meiner folgenden Sichtweisen.

[2] Der Namensgeber, US-Präsident und Alliierten-General Dwight D. Eisenhower hat diese Methode vermutlich nicht erfunden und wahrscheinlich auch nicht praktiziert. Trotzdem wird sie ihm zugeschrieben.

[3] Aus: Griesbeck, Markus. Management. Die Essenz. Handelsblatt Fachmedien Verlag. 2019. S. 117.